Die wöchentliche Arbeit einer Gruppe im Ganztag kann auf verschiedene Projektergebnisse ausgerichtet sein, die – über die oben beschriebenen allgemeinen Effekte hinaus – auf unterschiedliche Weise zum Wirklichkeitsverständnis und zur Herausbildung individueller Fähigkeiten beitragen.
Projektziel "Film"
In Filmprojekten entwerfen die Kinder fiktionale Handlungen, die ihren Ursprung in der Lebenswirklichkeit der Kinder haben. Da kann es um Mobbing gehen, Scheidung der Eltern, Einsamkeit, Body Shaming, Suchtverhalten und vieles mehr.
Kinder erlernen in diesem Zusammenhang, wie filmische "Wirklichkeit" konstruiert werden kann und erlangen so auch ein tieferes Verständnis dafür, wie professionelle fiktionale Produkte, denen sie täglich in Medien, Kino und Fernsehen ausgesetzt sind, aufgebaut und wie diese von der Realität zu unterscheiden sind.
Die Arbeits- und Lernprozesse durchlaufen über den Projektzeitraum mehrere aufeinander aufbauende, sich nicht wiederholende Phasen, vom Erlernen der dramaturgischen Grundlagen über die Drehbuch-Entwicklung, die schauspielerische Erprobungs- und Findungsphase, die technischen Grundlagen und Bedienung der Geräte bis hin zur Organisation der Dreharbeiten, der Vorbereitung der Drehorte und dem eigentlichen Dreh, gefolgt von der Post-Produktion mit Schnitt und Musikunterlegung, Vorspann und Abspann. Optional ist die Erstellung einer Film-DVD möglich und die Organisation von Aufführungen in Schule und Kino.
Projektziel "TV"
TV-Projekte haben eher non-fiktionale Formate als Produktionsziel. Die Kinder lernen dabei dokumentarische und berichtende Formate in Theorie und Praxis kennen: Nachricht, Interview, Reportage, Hintergrundbericht, "Talkshow" etc.
Sie lernen, wie man Kontexte recherchiert oder Interviews vorbereitet und durchführt.
Wenn das Projektziel zum Beispiel eine periodische Nachrichtensendung ist, lernen sie einfache technische Produktionsprozesse, die auf schnelle Ergebnisse ausgerichtet sind. Die Themenfindung geht über die eigenen Interessen hinaus: Was könnte nicht nur mich, sondern auch die anderen Kinder an der Schule interessieren?
Auf spielerische und spannende Weise erfahren die Kinder mehr über journalistisches Arbeiten: Was ist "Wahrheit", was ist Perspektive oder Meinung? Welche Fragen muss ein Beitrag beantworten, damit er für sich allein genommen verständlich ist? Wie bereite ich einen Beitrag vor?
Vor der Kamera und vor dem eigentlichen Dreh schlüpfen die Kinder nicht in fiktive Rollen, sondern finden ihre eigene Rolle als Journalist:innen. Hinter, neben und an der Kamera oder dem Smartphone erlernen sie technische Abläufe, entwerfen und bauen sie Studiokulissen und Greenscreen-Hintergründe, kreieren eine Titelmusik und Sendungs-Logos, lernen Videoschnitt und die Arbeit mit Einblendungen.
Im Rahmen einer solchen AG ließe sich ein dauerhaftes Schul-TV-Format etablieren.