Film & TV selbst machen in der Schule

Mit diesem für den Ganztag einer Grundschule konzipierten Angebot erleben Kinder die Faszination von Film und Fernsehen aktiv als Drehbuchautor:innen, Schauspieler:innen, Kameraleute, Tonspezialist:innen und TV-Journalist:innen.

Vereinbarkeit mit Lernzielen und Ganztag

Filmprojekte im Rahmen des regelmäßigen Ganztags decken unabhängig davon, ob sie periodische oder singuläre Formate als Herstellungsziel haben, alle drei Dimensionen ästhetischer Bildung ab: Die Rezeption vorbildhafter künstlerischer oder journalistischer Produkte und der Prozess der Reflexion darüber sind Voraussetzungen für den eigenen kreativen Produktionsprozess. Die begleitende Reflexion über das eigene künstlerische Schaffen fördert die ästhetischen Fähigkeiten ebenso wie die persönliche Haltung.
Wichtig ist die thematische Relevanz: Die Kinder gestalten aktiv das Projekt auf Grundlage ihrer eigenen Erfahrungen und Interessen.
Spiel als Lernform ist die Grundlage des darstellenden Spiels: Rollen werden spielerisch ausprobiert, Emotionen in der Gruppe "gespielt" und erlebt. Das Erleben geschieht dabei ganzheitlich und bezieht alle Sinne, Bewegung und Körperlichkeit ein. In spielerischen Rollen erleben die Kinder, wie man mit Körperhaltung Haltung zeigen kann oder wie Gestik und Mimik Worten Wirkung verleihen.
Den Erlebnisraum erschaffen die Kinder dabei mithilfe fachlicher Anleitung selbst, ob es nun ein bestimmter Drehort ist, ein Bluescreen-Nachrichtenstudio oder das Aufstellen von Kameras und Licht im Klassenraum.
Repetitives Lernen erleben die Kinder bei Filmprojekten in spielerischer Form durch das Lesen, Sprechen und emotionale Unterfüttern selbst entwickelter Texte, Dialoge oder Interviewfragen. Ebenso lernen sie, Emotionalität durch Stimme, Gestik und Mimik auszudrücken.
Auf spielerische und spannende Weise können die Kinder fachspezifische Kenntnisse und soziale Kompetenzen erwerben.
Filmarbeit verbindet die Förderung sprachlicher Fähigkeiten, zum Beispiel in der Rechtschreibung und im Lesen, im sprachlichen Ausdruck, in der Artikulation, mit der Weiterentwicklung ästhetischer Kompetenzen: Das darstellende Spiel in all seinen Facetten ist ebenso wichtig wie das Erfassen der Bedeutung von Musik als dramaturgisches Element und die Einbeziehung visueller Ästhetik bei der Gestaltung von Szenen-Umgebungen und Szenen-Beleuchtung.
Filmarbeit ist dabei immer soziales Arbeiten, denn alles vom Skript bis zum Dreh entsteht in gemeinschaftlicher Entwicklung und im Kontext der kindlichen Lebenswirklichkeit. Das Zusammenwirken aller teilnehmenden Kinder ist Grundvoraussetzung eines gelingenden Projekts.
Der kreative Prozess ist dabei spielerisch, erfinderisch und gleichzeitig herausfordernd und ergebnisorientiert, so dass Fokussierung und Konzentration in einer lebendigen, abwechslungsreichen Lernatmosphäre gefördert werden.
Das breit gefächerte Aufgabenspektrum innerhalb filmischer Vorhaben ermöglicht es den Kindern, für sich spannende Bereiche zu entdecken und eigene Fähigkeiten zu erkennen, vor und hinter der Kamera.


Mögliche Kursformen im Ganztag

Die wöchentliche Arbeit einer Gruppe im Ganztag kann auf verschiedene Projektergebnisse ausgerichtet sein, die – über die oben beschriebenen allgemeinen Effekte hinaus – auf unterschiedliche Weise zum Wirklichkeitsverständnis und zur Herausbildung individueller Fähigkeiten beitragen.

Projektziel "Film"

In Filmprojekten entwerfen die Kinder fiktionale Handlungen, die ihren Ursprung in der Lebenswirklichkeit der Kinder haben. Da kann es um Mobbing gehen, Scheidung der Eltern, Einsamkeit, Body Shaming, Suchtverhalten und vieles mehr.
Kinder erlernen in diesem Zusammenhang, wie filmische "Wirklichkeit" konstruiert werden kann und erlangen so auch ein tieferes Verständnis dafür, wie professionelle fiktionale Produkte, denen sie täglich in Medien, Kino und Fernsehen ausgesetzt sind, aufgebaut und wie diese von der Realität zu unterscheiden sind.
Die Arbeits- und Lernprozesse durchlaufen über den Projektzeitraum mehrere aufeinander aufbauende, sich nicht wiederholende Phasen, vom Erlernen der dramaturgischen Grundlagen über die Drehbuch-Entwicklung, die schauspielerische Erprobungs- und Findungsphase, die technischen Grundlagen und Bedienung der Geräte bis hin zur Organisation der Dreharbeiten, der Vorbereitung der Drehorte und dem eigentlichen Dreh, gefolgt von der Post-Produktion mit Schnitt und Musikunterlegung, Vorspann und Abspann. Optional ist die Erstellung einer Film-DVD möglich und die Organisation von Aufführungen in Schule und Kino.


Projektziel "TV"

TV-Projekte haben eher non-fiktionale Formate als Produktionsziel. Die Kinder lernen dabei dokumentarische und berichtende Formate in Theorie und Praxis kennen: Nachricht, Interview, Reportage, Hintergrundbericht, "Talkshow" etc.
Sie lernen, wie man Kontexte recherchiert oder Interviews vorbereitet und durchführt.
Wenn das Projektziel zum Beispiel eine periodische Nachrichtensendung ist, lernen sie einfache technische Produktionsprozesse, die auf schnelle Ergebnisse ausgerichtet sind. Die Themenfindung geht über die eigenen Interessen hinaus: Was könnte nicht nur mich, sondern auch die anderen Kinder an der Schule interessieren?
Auf spielerische und spannende Weise erfahren die Kinder mehr über journalistisches Arbeiten: Was ist "Wahrheit", was ist Perspektive oder Meinung? Welche Fragen muss ein Beitrag beantworten, damit er für sich allein genommen verständlich ist? Wie bereite ich einen Beitrag vor?
Vor der Kamera und vor dem eigentlichen Dreh schlüpfen die Kinder nicht in fiktive Rollen, sondern finden ihre eigene Rolle als Journalist:innen. Hinter, neben und an der Kamera oder dem Smartphone erlernen sie technische Abläufe, entwerfen und bauen sie Studiokulissen und Greenscreen-Hintergründe, kreieren eine Titelmusik und Sendungs-Logos, lernen Videoschnitt und die Arbeit mit Einblendungen.
Im Rahmen einer solchen AG ließe sich ein dauerhaftes Schul-TV-Format etablieren.

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